Coronacity (Impuls zur Woche, in Anlehnung an die Predigt)

„Suchet der Stadt Bestes … und betet für sie zum Herrn“ (Jeremia 29). Ich hatte diesen Bibelspruch immer so verstanden:  Setz dich ein für den Ort, an dem Du gerne lebst. Bring dich ein in der Stadt, die du liebst. Aber darum geht es gerade nicht!

Es geht eben nicht um die Stadt, in die du freiwillig gezogen bist. Es geht um die Stadt, die du verabscheust. Die Stadt, aus der du am liebsten wegziehen würdest. Ein Ort, der niemals deine Heimat wird.

Wir alle leben an diesem Ort: Coronacity. 

Es ist die Stadt, in der dein freundlicher Nachbar die Straßenseite wechselt, sobald er dich sieht. Ein Ort, an dem das freundlichste Lächeln frühmorgens beim Bäcker durch eine Maske verdeckt wird. 

Wir alle leben in Coronacity und ich habe noch keinen getroffen, der gerne in dieser Stadt lebt. Ich kenne keinen, der gerne Masken trägt. Keinen, der gesagt hätte, ach war das schön, mal ’ne Auszeit, zwei Wochen Quarantäne. Und bei vielen ist die Anfangsfreude über die Kurzarbeit vergangen, spätestens, seitdem sich die Bank gemeldet hat…

„Suchet der Stadt Bestes“ spricht Jeremia in eine Krisenzeit hinein. Alles war anders. Viele Juden waren aus Jerusalem nach Babel verschleppt worden. Eine Stadt fern von der Heimat. Aber gerade hier sagt Gott:

Denk jetzt nicht zurück auf die gute alte Zeit, schau auch jetzt nach vorne: Ihr sollt auch weiterhin eine Zukunft haben, „dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung“. Steckt den Kopf nicht in den Sand, ich hab Gutes mit Euch vor, „Gedanken des Friedens und nicht des Leides“. Legt die Hände nicht in den Schoß, sondern schaut, was ihr tun könnt. Bebaut, bepflanzt! Richtet euch ein in dieser neuen Zeit. Oder wie die Amerikaner sagen:

Bloom where you are planted – blühe, wo du gepflanzt bist“. Leiste einen Beitrag, nicht irgendwo und irgendwie, leiste einen Beitrag in Coronacity. 

Blühe, wo du gepflanzt bist – auch wenn der Boden noch so trocken ist.  

Blühe, wo du gepflanzt bist – auch wenn du die Rahmenbedingungen gerne anders hättest. 

Aber blühe!

Was kann Dein Beitrag für Coronacity sein? Ich gebe zu, die Antwort liegt nicht auf der Hand. Es heißt ja auch nicht, „Tue der Stadt Bestes“. Es ist ein Suchen und ein Ringen. Aber während manche noch abwarten und schauen, was als nächstes kommt, fangen andere an zu begreifen, dass sie einen Beitrag leisten können, einen Beitrag in der Stadt, die sich niemand ausgesucht hat.

Pfarrer Oliver Helmers

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