Versuchungspredigt zum Weiterdenken

In der Predigt vom Sonntag gab es einige Fragen zum Weiterdenken. Wem das zu schnell gegangen ist, findet die Predigt mit den Fragen noch einmal hier. Predigttext war Matthäus 4, 1ff.

  1. Auf einer Skala von 1-10: Für wie groß halten Sie die Versuchung, der Jesus ausgesetzt war?

Ist doch klar, dass Jesus der Anfechtung widersteht, oder? Im Prinzip weiß man schon am Anfang, wie die Geschichte endet. Der Grad der Versuchung liegt demnach im unteren Bereich. Bei 1, wenn nicht sogar 0.

Aber der Hebräerbrief belehrt uns eines Besseren: „Jesus war in allem versucht wie wir.“

Wenn wir also fragen: „Wie groß ist die Anfechtung auf einer Skala von 1-10“, so ist die richtige Antwort 10.

2. Jesus war versucht. Er war es wirklich! Und die Anfechtung trifft ihn in seinem schwächsten Moment.

Der Hunger war riesengroß: Schließlich hatte er 40 Tage gefastet. Am liebsten hätte er sofort in ein Stück Brot gebissen.

Doch die Versuchung trifft ihn im schwächsten Moment, am ungünstigsten Ort, in der Wüste. Das ist der Inbegriff absoluter Einsamkeit: Ein Ort ohne Familie, ohne Freunde. Leben in völliger Abgeschiedenheit. Die kann gut tun, wie manche Saharatouristen erzählen, Wüste kann aber auch bedrohlich sein. Eine Gegend, in der man wie die Wüstenväter im 4. Jahrhundert – Gott nahe kommt. Oder: Gott verliert – in den wüsten Momenten des Lebens.

3. Und jetzt denke ich an Jesus: 40 Tage  gefastet. Unerträglicher Hunger. 40 Tage, 40 Nächte ohne Essen. Und jetzt kommt der Satan.

Wo der Hunger am größten ist, in seinem schwächsten Moment, am ungünstigsten Ort, kommt der Versucher und sagt: Jesus, du könntest doch diese Steine in Brot verwandeln. Und Jesus ist versucht… Ich kann mir vorstellen, wie verlockend dieser Gedanke für Jesus gewesen sein muss.

4. Mit dem heutigen Sonntag befinden wir uns in der Passionszeit. Eine Zeit, in der das Parament auf dem Altar wieder violett erscheint. Der Farbe, die sich übrigens in unserem Gemeindelogo widerspiegelt. Es ist die Farbe der Besinnung. Zeit zum Nachdenken also. Zum Nachdenken über den Sinn und Unsinn unseres Lebens. Dass das nicht einfach ist, sagt bereits der Name „Passionszeit“. Da steckt Leidenschaft drin, aber eben auch LEIDEN. Es ist eine Leidenszeit, in der wir schwierigen Fragen nicht aus dem Weg gehen sollten. So falle ich mit der Tür ins Haus und frage Sie:

5. Was sind die Anfechtungen, denen Sie ausgesetzt sind?
Denken Sie nur mal drüber nach:

a) Jesus soll Steine in Brot verwandeln – Jesus wird versucht, seine Kraft für sich zu gebrauchen, ohne an andere zu denken.

Für wen setzen wir uns ein? Nur für uns selbst oder für andere? Brot für die Welt – oder Brot nur für uns? Was ist mit unseren Begabungen? Setzen wir sie schon ein oder halten wir sie zurück? Unsere Gemeinde zählt fast 300 Mitarbeiter! Respekt! Und Danke für alle, die sich einsetzen. Allein wenn ich mich umschaue, sehe ich Musiker, Techniker, Leute, die sich mit Ton und Videotechnik auskennen, unsere Mesnerin. Aber vielleicht gibt es noch weitere, die sich einbringen könnten. Ich denke das jedes Mal, wenn ich eine Powerpoint gestalte. Wo sind eigentlich die ehrenamtlichen Grafiker, die so etwas viel besser gestalten könnten als ich? Wer ist ein Schreibtalent und kann texten oder Texte redigieren? Wer kennt sich mit Social Media aus? Möglicherweise gibt es Begabungen, die noch gar nicht eingesetzt werden, weil niemand danach fragt. Bin ich versucht, meine Begabungen für mich zu behalten oder setze ich sie ein? Warte ich, bis ich gefragt werde?

b) Jesus wird versucht, vom Tempel zu springen. Diese Versuchung ist eine Steigerung. Erst ging es um Essen. Jetzt um Leben und Tod. Jesus wird versucht, sich zum Helden zu machen.

Wo sind wir versucht, ein Held sein wollen? „Nur noch kurz die Welt retten?“ Wo denken wir zu hoch von uns und halten uns für etwas Besonderes? Besonders klug? Besonders christlich? Besonders demütig?

c) Die dritte Versuchung ist die größtmögliche Steigerung. Jetzt geht es um die Weltherrschaft. Wenn Jesus den Satan anbetet, soll er mächtig und reich werden.

Wo sind wir versucht, Gott zu vergessen?  Wo versäumen wir es, ihn in unserm Alltag einen Platz einzuräumen? Wo schielen wir nach Glanz und Gloria und vergessen, dass das Glück meist in den kleinen Dingen des Lebens liegt?

6. Was sind Ihre Versuchungen? Manchmal führt uns Gottes Geist an die ungemütlichsten Orte. Gelegentlich sogar in die Wüste, an den Ort der Versuchung. Dabei kann jede Versuchung auch eine Chance sein. Eine Chance. Weil jede überwundene Versuchung unseren Glauben stärkt und unseren Herrn groß macht. Und wenn wir der Versuchung erliegen, können wir um Vergebung bitten und die Gnade Gottes kann umso größer werden.

So gemütlich Sie jetzt auch vor dem Bildschirm sitzen: Der Weg unserer Jesusnachfolge kann ganz schön schwer und steinig werden. Auch nächste Woche werden uns wieder zahlreiche Versuchungen begegnen, von denen wir manche nicht mal bemerken. Aber es gilt:
Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten und zwar auf allen deinen Wegen!

So gehen wir unseren Weg. Mag er noch so steinig sein. Mit Jesus. Von seinem Geist begleitet. Selbst in der Wüste.

Amen.

Gehalten am 21.02.2021 in der Mauritiuskirche in Aldingen, Pfarrer Oliver Helmers (oliver.helmers@elkw.de)

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