Eigentlich ein hartes Leben

Thomas Nowack (München) ist Geschäftsführer der Künstlergemeinschaft DAS RAD – Christen in künstlerischen Berufen. Zur Zeit schreibt er einen wöchentlichen Corona-Rundbrief, um KünstlerInnen, denen momentan die wirtschaftliche Existenz wegbricht, wichtige Informationen weiterzugeben und seelischen Beistand zu leisten. Im aktuellen Rundbrief findet sich diese kurze Biografie:

Geboren wurde er am 12. März 1607 in Gräfenhainichen nahe Wittenberg. Sein Vater wurde ihm als 12-Jähriger genommen und schon mit 14 Jahren ist er durch den Tod der Mutter Vollwaise. Gemeinsam mit seinem Bruder besuchte er die Fürstenschule in Grimma und studierte dann Theologie in Wittenberg mit dem Ziel, Pastor zu werden. In dieser Zeit brach der Dreißigjährige Krieg auch über Sachsen herein. Die Heimatstadt wurde von den Schweden in Schutt und Asche gelegt und kurze Zeit später grassierte die Pest, an der auch sein Bruder Christian starb.

Mit 44 Jahren trat er sein erstes Pfarramt in Mittenwalde, eine Tagesreise südlich von Berlin, an. Mit 48 Jahren heiratete er seine 16 Jahre jüngere Ehefrau Anna Maria Berthold, die er schon lange gut kannte. Sie brachte fünf Kinder zur Welt. Aber nur eines blieb am Leben und überlebte die Eltern, die anderen starben alle sehr früh in den ersten Lebensjahren. Einige Jahre später wurde er leitender Pfarrer an der Berliner Hauptkirche St. Nikolai.  Aber auch hier schlug das Schicksal wieder zu. Seine Ehefrau Anna starb nach nur 13 Jahren Ehe, sie wurde nur 45 Jahre alt. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er als Pfarrer in Lübben im Spreewald. Am 27. Mai 1676 starb er im Alter von 69 Jahren.

Ich denke, Ihr wisst längst, von wem hier die Rede ist: dem Pfarrer und Liederdichter Paul Gerhardt. Ihm verdanken wir 139 Lieder. Im Evangelischen Gesangbuch stehen davon 26, im katholischen Gotteslob 12. Er ist mit Luther der bedeutendste Liederdichter des deutschen Protestantismus. Seine Lieder sind voller Hoffnung und Kraft trotz oder gerade wegen der persönlichen Schicksalsschläge und der verheerenden Zeitumstände. Das, was er und viele Zeitgenossen ertragen mussten, ist mehr, als die meisten von uns in den momentanen Corona-Zeiten erleben und aushalten müssen. Und das im Angesicht des ständig andauernden Krieges ohne Aussicht auf „Lockerung“ oder Erleichterung. Hätte Paul Gerhardt also nicht allen Grund gehabt, zu jammern, zu zweifeln, zu verzweifeln oder Gott anzuklagen? Sicher Ja. Aber das Gegenteil scheint eingetreten zu sein. Das Gottvertrauen, das aus seinen Texten spricht, beeindruckt mich in diesen Tagen ganz neu und gibt mir Kraft in diesen Zeiten – mögen seine Texte und der Glaube, der darin sichtbar wird, auch Euch Kraft, Hoffnung und Zuversicht schenken. Lassen wir ihn dazu doch selber zu Wort kommen:

Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt

der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt.

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn,

der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann!

Hoff, o du arme Seele, hoff und sei unverzagt!

Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt,

mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit,

so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud!

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